Über Kosmokrat

Im Jahr 1996, in meinem allerersten Job nach der Hochschule wurden mir im Rahmen eines IPO Aktien meines Arbeitgebers zur Zeichnung zu bevorzugten Konditionen angeboten. Damals lehnte ich dankend ab, beobachtete aber fortan den Börsenkurs meines Arbeitgebers. Weil ich mich aber mit den Thema beschäftigte und merkte, dass man in meinem damaligen beruflichen Umfeld (DotCom) mit Aktien schnell reich werden kann, war ich im zarten Alter von 25 bald Aktionär. Anfangs investierte ich ohne Sinn und Verstand, hauptsächlich in Unternehmen, die ich irgendwie „cool“ fand. Heute, 16 Jahre später, habe ich immer noch Spaß am Investieren und möchte aktiv etwas zur Transparenz im Micro-Caps-Segment beitragen.

DCI Database for Commerce and Industry AG

Überblick

Die DCI Database for Commerce and Industry AG (kurz DCI AG) wurde 1993 vom heutigen Vorstand Michael Mohr als GmbH in Starnberg gegründet. Im März 2000 erfolgte der Börsengang. Wie so oft bei den börsennotierten „DotCom“ Aktien waren anfangs nicht nur die Börsenkurse schwindelerregend, sondern auch die Verluste. Das Allzeithoch der DCI erreichte am zweiten Handelstag 101 Euro, seitdem ging es aber meist kontinuierlich bergab. Derzeit führt die Aktie der DCI AG ein kümmerliches Dasein als Penny-Stock.

Zum Konsolidierungskreis der DCI AG gehören die im Jahre 2000 gegründete 100-prozentige Tochtergesellschaft DCI Database for Commerce and Industry Romania S.R.L., Brasov/Rumänien und die im September 2009 gegründete DCI Systems Engineering GmbH, an der die DCI AG mit 51% beteiligt ist.

Das Geschäft der DCI AG gliedert sich in 4 Bereiche:

  1. DCI Infoboard (WAi): Eine patentgeschützte, über E-Mail gesteuerte Technologie, die Content in Echtzeit über Newsticker auf eigenen oder fremden Webseiten oder Portalen platziert.

  2. DCI Medien: Seit 15 Jahren betreibt die DCI E-Mail-Marketing und bietet damit ein reichweitenstarkes Einkaufstool für die IuK-Branche an. In diesem traditionellen Kerngeschäft der DCI werden im Kundenauftrag E-Mail-Sendungen verschickt.

  3. DCI Content: Produktdaten aus dem IuK-Bereich, sowie Dienstleistungen rund um die Themen Datenerfassung, -veredelung oder -pflege.

  4. DCI Apps: SaaS-Module, mit denen bestehende Portale oder Webseiten erweitert werden können, indem Daten integriert werden, z. B. aus Preisvergleichen, Katalogen oder Kleinanzeigenmärkten.

Alles in Allem dreht sich das Geschäftsmodell der DCI also um Online-Marketing für die Informations- und Kommunikationsbranche. Durch die große Erfahrung in diesem Bereich ist die DCI sicher zu einer bekannten und etablierten Größe in dieser Branche avanciert.

Umsatz und Ertrag

Doch wie steht es um Ertragskraft, Wachstum, und die Bilanzen von DCI? Und viel wichtiger, die Zukunftsperspektiven? Wenn man den 10-Jahres-Chart des Aktienkurses anschaut, sieht der Kursverlauf ja wie eine Achterbahn aus:

Chart der DCI AG

Die Aktie geht hoch und runter, aber es mag sich kein dauerhafter Trend einstellen. 

Wie sieht es also mit der Ertragskraft aus? Die 10 Jahre Historie begründet eher das Auf und Ab beim Aktienkurs:

Profitabilität der DCI AG

Seit vier Jahren schrumpfender Umsatz und endlich mal wieder ein positives Ergebnis im Jahr 2013. Ist das der Anfang vom Turn-Around? Noch eine kritische Anmerkung zum positiven Ergebnis: Es wurden erstmals Eigenleistungen aktiviert, hätte man das nicht getan, wäre das Ergebnis wieder negativ gewesen.

Bilanz

Die 2013er Bilanz sieht übersichtlich aus: Das Anlagevermögen (735 Tausend Euro) besteht hauptsächlich aus:

  • immateriellen Vermögensgegenständen (417 Tausend Euro)

  • 22 Tausend Euro Sachanlagen

  • 296 Tausend Euro Finanzanlagen – Anteile an verbundenen Unternehmen

Das Umlaufvermögen besteht hauptsächlich aus:

  • 420 Tausend Euro Forderungen und 9 Tausend Euro sonstige Vermögensgegenstände

  • 865 Tausend Euro Cash

Auf der Passiv-Seite stehen:

  • 1476 Tausend Euro Eigenkapital

  • 228 Tausend Euro Rückstellungen

  • 224 Tausend Euro Verbindlichkeiten

An der Bilanz gibt es nicht viel auszusetzen. Zwar dürfte das Anlagevermögen nicht wirklich werthaltig sein (bei immateriellen Vermögensgegenständen bin ich immer sehr skeptisch), aber Forderungen und insbesondere die Barmittel sind dagegen sehr werthaltig. Die Barmittel sind fast doppelt so groß wie die Verbindlichkeiten und Rückstellungen zusammen. Rein von der Bilanz ist die DCI also absolut solide.

Stärken – Schwächen – Risiko – Potential

Stärken: In ihrer Nische ist die DCI ein langjähriger und angesehener Player. Durch die vier Bereiche ist die Firma vielseitig aufgestellt. Vor etwa zwei Jahren wurde mit Herrn Neubacher ein erfahrener Vertriebsvorstand mit ins Boot geholt.

Schwächen: Das Business-Modell ist nicht sonderlich ertragsstark. Es fehlt eine Wachstumsperspektive, der Umsatz und Ertrag sind seit vier Jahren rückläufig. Die neueste Innovation von DCI ist das WAI – vom großen Hoffnungsträger WAI wird allerdings bei weitem nicht der Umsatz und Ertrag erwirtschaftet, der ursprünglich angenommen wurde. WAI scheint also eher ein Rohrkrepierer zu sein, als eine echte Zukunftsperspektive. Daran konnte bisher auch der Vertriebsvorstand nichts ändern.

Risiko: Durch die noch reichlich vorhandenen Barmittel besteht keine unmittelbare Existenzgefährdung. Ich sehe das Risiko eher in ein Abrutschen in die totale Bedeutungslosigkeit. 

Potential: Die Aktie zeichnet sich durch eine sehr hohe Volatilität aus. Soll heißen: Bei guten Neuigkeiten, oder selbst nur bei Gerüchten, schnellt der Kurs gerne mal steil nach oben. Da ich aber nicht zum Zocken hier bin, wie sind denn die Chancen auf eine nachhaltige Kurssteigerung? Wenn ein Turnaround gelingt, könnte der Aktienkurs wieder stark steigen, denn fundamental ist die Firma nicht zu hoch bewertet – wenn sie denn profitabel wäre und wächst.

Versuch einer Bewertung:

Was ist die DCI AG wert? Nehmen wir mal ein Liquidationsscenario an: Man treibt die Forderungen ein, addiert die vorhandenen Barmittel, zieht die Verbindlichkeiten und Rückstellungen ab und verteilt, was übrig bleibt, an die Aktionäre. Dann würde jeder Aktionär 10 Cent bekommen. Nicht so viel. Deutlich weniger als der derzeitige Aktienkurs. Also kein guter Bewertungsansatz. Versuchen wir etwas anderes.

Bei einer Firma mit einem Ertragsproblem halte ich ein KUV von 0,5 für fair. Ein neues Management, ein neuer Eigentümer könnte hier sicher sanieren, optimieren und die Firma wieder profitabel machen. KuV bei einem Aktienkurs von 40 Cent: 0,91. Das wäre eher zu teuer.

Und wenn man nun dauerhaft Gewinn macht? KGV 2013 ist bei 17. Auch etwas teuer, aber nicht utopisch. 

Prognose

Für das Jahr 2014 gehe ich von Umsätzen von ca. 3,8 Mio. Euro und einem Jahresfehlbetrag von 150 Tausend Euro aus. Vom Aktienkurs erwarte ich eigentlich nur, dass er weiter heftig schwanken wird.

Fazit

Bleibt die Frage: Turn-Around-Kandidat?

Ich persönlich spekuliere meist dann auf einen möglichen Turn-Around, wenn drastische Änderungen vorgenommen werden, z.B. durch den Austausch des Managements und die damit verbundene Änderung der Strategie. Bei der DCI AG sitzt der Gründer, Vorstandsvorsitzende und größte Aktionär Michael Mohr jedoch fest im Sattel. Sein großer Verdienst war sicher, die DCI AG nach dem Börsengang am Leben zu erhalten, während so viele andere Dot-Com-Stars von damals durch Größenwahn und Missmanagement in die Pleite geschlittert sind.

Aber mir fehlt eine Perspektive. Neue Ideen, neue Produkte, neue Einnahmequellen, irgendeine Aussicht auf Umsatzwachstum oder wenigstens drastische Kostenreduktion. Und solange ich hier keine Perspektive erkennen kann lautet mein Urteil: Finger weg. Oder, wer schon investiert ist: Verkaufen!

Allerdings bleibt der Wert auf der Watchlist, denn es kann ja trotzdem zu Änderungen kommen, und dann würde ich liebend gerne neu evaluieren, ob sich ein Investment lohnt.